„Einwohnerzahl: Steigend“

13.08.2005. Falls es jemand ganz genau wissen will, wann bei mir die Sucht anfing.

Zuerst ein mal: Hallo! Mit der vollen Absicht, hier mal regelmäßig Leben in den Blog zu bekommen, kam mir die Idee, mich ein wenig über meine Sammlung auszulassen. Ich hatte ja vor geraumer Zeit schon ein mal versucht, eine eigene Seite für eine Gesamtansicht zu nutzen – das dann aber aufgrund der schlichten Größe meiner Sammlung schnell wieder aufgegeben. Zudem findet heute auch bei mir (leider?) vieles digital statt, wobei ich, im Vergleich zu vielen anderen, immer noch fleißig der Retail-Ware fröhne und mir nur regelmäßig die Regale ausgehen. Irgendwann wohne ich dann wohl doch in einem Lagerhaus, nun!

Jedenfalls ist mein Plan dieses mal ein anderer: Anstatt hier einen vollständigen Katalog abzuliefern, möchte ich mich auf einzelne Stücke meiner Sammlung konzentrieren. Neben natürlich auch einigen Mainstream-Waren habe ich doch auch so manche Perle hier über die Jahre (/Jahrzehnte) gesammelt – aber warum alles nur zustauben lassen, wenn ich euch das zumindest auf diesen Weg auch etwas zugänglich und den einen oder anderen Titel vielleicht sogar schmackhaft machen kann? Eben, stellt euch also auf viel Lobhudelei für Bekanntes, Unbekanntes, Seltenes oder teils auch einfach nur Schräges ein, ich hoffe, euch gefällt’s! Passend werde ich nachfolgende Artikel unter Games, jedoch auch gesondert unter „Just Sammler Things“ kategorisieren, falls mal jemand ganz gezielt stöbern mag.

Daher erneut: 13.08.2005.

Willkommen im Jahr 2020. Wer hätte schon 2005 ahnen können, dass ausgerechnet eine weltweite Pandemie einem ehemaligen Nischentitel zum großen Erfolg verhelfen würde? Vermutlich niemand, aber vermutlich hätte 2005 auch niemand mit einer weltweiten Pandemie gerechnet. Wo also weltweit mal eher light, mal ziemlich rigoros ein Lockdown dem Nächsten folgte, hätte eine kleine, japanische Firma kein besseres Timing haben können: Animal Crossing: New Horizons darf sich vermutlich zurecht die Auszeichnung „Spiel der Pandemie“ sichern, denn kaum ein anderer Titel hat wohl in den letzten Monaten die Verkäufe der dazugehörigen Hardware dermaßen in die Höhe schnellen lassen.

Doch, wo ich jetzt allerhand Leute in diesem Spiel treffe, die bisher keinen Zugang zu dieser Serie gefunden haben und aktuell ein dickes 2.0 Update New Horizons um reichlich Features und Möglichkeiten erweitert – wie hat der ganze Spaß eigentlich angefangen?

Womit wir wieder zum 13.08.2005 kommen. Das, so sagt zumindest der Kassenbon, den ich tatsächlich IMMER NOCH in der Hülle habe (Sammler! Hier kommt GAR NIX weg!), ist nämlich der Tag, an dem ich bereits einer Sucht verfiel, die ihr vermutlich erst jetzt nachvollziehen könnt.

Spiel, Anleitung, das übliche Werbematerial – und sogar eine extra Memory Card? Na holla, das ist mal was Besonderes gewesen! War allerdings auch dringend nötig. Wo heutzutage ja alles brav auf der internen oder externen SD, SSD, Platte oder direkt in der Cloud gespeichert wird, brauchten wir damals ™ ja noch die kleinen Speicherkarten. Und Animal Crossing frisst dann auch direkt eine komplett alleine, um den Spielstand für die Stadt zu sichern. Doch diese Memory Card kommt sogar mit einem gewissen Extra für den Erst-Besitzer: Es wartet ein Geschenk von Nintendo zur Begrüßung.

Tatsächlich habe ich nach wie vor meinen ersten Spielstand, meine erste Stadt. Sogar ein paar der Bewohner sind noch von Tag 1 an vorhanden – auch, wenn meine Besuche in den letzten Jahren deutlich seltener geworden sind. („Wir haben uns ja EWIG nicht gesehen, 576 Monate ist’s her!“) Doch damals wie heute hat dieses Spiel für mich wenig an seinem Reiz einbüßen müssen.

Oft höre ich den Vergleich, Animal Crossing sei wie Sims, oder wie Harvest Moon. Beiden muss ich immer hartnäckig wiedersprechen, wobei der Vergleich auf den ersten Blick nahe liegt. Haus einrichten, Blumen und Bäume pflanzen? Ja, klingt ähnlich. Der Fokus ist jedoch deutlich anders gelegt: Willkommen im Dorfleben. Ich bin nur ein Bewohner, genau so, wie meine Nachbarn. Und während Tiger, Pinguin und Stier hier einfach nur ihr Leben leben – nun, tue ich effektiv eigentlich auch exakt das, einfach mein Ding machen. Die soziale Interaktion innerhalb der Dorfsimulation steht hier deutlich im Vordergrund, wodurch Animal Crossing sich von den genannten Titel doch abhebt.

Ein wirkliches „Ziel“, wie man es von anderen Spielen kennt, findet sich hier nicht. Klar, ich möchte ein größeres Haus, das kostet Geld, welches ich irgendwann dann auch mal abbezahlen sollte – aber „irgendwann“ ist eben der springende Punkt. Hier läuft kein Timer, niemand zwingt mich, irgendetwas hier und jetzt zu machen. Stattdessen ist’s einfach mal eine spielgewordene Möglichkeit, die Seele baumeln zu lassen und sich aus dem oftmals realem, hektischen Alltag auszuklinken.

Gemütlich den ganzen Tag am Strand stehen und vielleicht ein paar Fische fangen? Klar, mach ich einfach. Durch die Gegend schlendern, den Nachbarn Hallo sagen und mir ihre Sorgen und Anekdoten anhören? Jederzeit, wenn ich mag. Bisschen „Arbeit“ gefällig, ein paar Lieferungen erledigen? Einfach nur fragen, ob wer gerade Hilfe braucht!

Ein paar Besonderheiten dieses ersten Titels gefällig? Sogar Nintendo selbst war der Meinung, dass das hier wohl doch „zu wenig Spiel sein könnte“ – weswegen sie ganz einfach ein paar Spiele eingebaut haben. Als Einrichtungsgegenstand für das Haus kann man NES-Konsolen finden. Die sind reichlich selten, bieten dann jedoch jeweils ein NES-Spiel an. Dieses darf man nicht nur in der eigenen Hütte dann direkt spielen, sondern sogar, wenn vorhanden, an einen angeschlossenen Gameboy Advance übertragen und somit Donkey Kong oder Excite Bike auch unterwegs spielen. Fein! Hier findet sich übrigens auf der dem Spiel beigelegten Memory Card ein schönes Extra für den ersten Spieler: Neben einem Brief zur Begrüßung von Nintendo liegt der Post ein NES-Game gratis dabei. So macht der Einstand Spaß – heutzutage dürfte es kaum noch möglich sein, ein ungenutztes Spiel nebst dazugehöriger Memory Card zu finden.

Statt diverser Zimmer sind die Möglichkeiten hier noch deutlich eingeschränkter: Ein voll ausgebautes Haus verfügt über zwei Räume (Erd- und Obergeschoss) so wie einen Keller, das war’s auch schon. Insgesamt können immerhin allerdings bis zu vier Leute innerhalb einer Stadt wohnen. Auch hier zeigt sich schon, dass „family entertainment“ ein fester Bestandteil der Serie war.

Auch Besuche in anderen Städten waren damals schon möglich, wenn auch nicht ganz so simpel wie heutzutage über die einfache Online-Funktion. Um eine andere Stadt zu besuchen, darf ich mit meiner Memory Card beim Kumpel rum. Bei mir lege ich „Reisedaten“ an, um entsprechend über Slot 2 beim Kumpel dann am Bahnhof ankommen zu können. Fies: Die größte Ausbaustufe des Ladens gibt es erst, wenn jemand aus einer anderen Stadt im eigenen Shop eingekauft hat – das erfuhr ich also dementsprechend selbst erst Jahre später, als ich eine zweite Stadt auf einer weiteren Memory Card angelegt und mich selbst besucht habe. Spannend!

Schön auch: In diesem Teil konnte man noch ganz gezielt die Nachbarn nach Arbeit fragen. In jedem folgenden Spiel kann man zwar nach wie vor jedes Tierchen jederzeit einfach anquatschen – ob sie allerdings dann nur ein wenig reden oder einen Job anbieten, ist rein zufällig. Hier kann ich noch wählen, ob ich einfach nur eine Unterhaltung möchte, oder sie direkt nach einem Auftrag fragen. Nicht jedes mal haben sie auch was zu tun, doch kommt man hier so leicht an kleine Bring-Dienste, wofür man wiederum mit neuen Klamotten oder Einrichtungsgegenständen belohnt wird. Diese gezielte Möglichkeit der Job-Beschaffung würde ich mir tatsächlich für moderne Titel manches mal wünschen.

Ein wenig vermisse ich im aktuellen Teil auch den Postboten. Hier musste man nämlich für jeden Brief noch artig zur Post latschen, um ihn zu versenden – dafür konnte man allerdings zu festen Zeiten, wenn man gerade anwesend war, dann passend „Peter“ treffen. Der kleine Pelikan drehte nämlich immer pünktlich seine Runden, um die Post auszutragen, wo man ihn dann abgreifen und eine kleine Unterhaltung führen konnte.

Was es allerdings schon damals gab: Sammelwahn deluxe! Auch hier finden sich schon endlos Outfits, Möbel, Nerdkram wie das Masterschwert und viel zu viele Gyroiden, als dass ich sie alle benennen könnte. Allerdings bin ich hier auch froh, dass doch ein wenig Neuerung statt fand: Statt eines dicken Lagers wie bei New Horizons brauchte ich hier noch einen Schrank, in dem auch nur jeweils 3 Items Platz fanden. Drei! DREI! Pro Schrank! Da möchte ich die 3000+ Slots meines aktuellen Lagers dann doch wirklich nicht mehr missen. Mit ein Grund übrigens, warum ich irgendwann eine weitere Stadt anfing – ich brauchte weitere Häuser, um meine Sachen unterzubringen, und trotzdem wurde es rappelvoll.

Was als N64-Port in den Westen kam und anfangs wirklich eine reine Nische bediente, hat sich mittlerweile zu einem der dicksten Franchises seitens Nintendo gemausert. Die Masse hat halt noch ein wenig länger gebraucht, um den Reiz dieser komplett entschleunigten Wohlfühl-Oase der Spielewelt zu verstehen. Und wo dieser Titel mittlerweile für teils dreistellige Beträge über die Theke wandert, habe ich damals deutlich günstiger zugreifen dürfen: 29,99. Deutsche Mark, nicht Euro. Auf’m Wühltisch, weil’s ein Ladenhüter war. Das waren noch Zeiten. Was damals also eher als Spiel-interner Slogen gedacht war, trifft heutige Verkaufszahlen tatsächlich erstaunlich präzise: „Einwohnerzahl: Steigend“. Verdient, wenn ihr mich fragt.

Auch, wenn ich meine Zeit mittlerweile eher in den neueren Gefilden der Serie verbringe, so kann ich auf jeden Fall sagen: Wenige Spiele haben es geschafft, mir so sehr an’s Herz zu wachsen wie dieses hier. Und wer weiß, vielleicht statte ich meiner alten Heimat ja demnächst sogar mal wieder einen Besuch ab. Spiele ein paar NES-Spiele, säubere mein Haus von Kakerlaken und sag dem Bürgermeister Hallo – das war damals nämlich noch nicht mein Job, stattdessen war der gute Törtel zuständig. Mehr Entspannung geht halt wirklich nicht!

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