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Manchmal bin ich ja selbst über mich erstaunt. Wie zum Beispiel diese Woche, wo das Thema „Familie“ lautet – und ich als erstes an meinen Kleiderschrank denke. Ich glaube, ich muss mal ein wenig weiter ausholen.

Es war ein mal die schöne Zeit, als man noch bei Mutti wohnte. Mit ‚man‘ meine ich natürlich mich und in diesem ominösen Damals hatte ich durchaus viel Zeit und auch ein wenig Geld, weswegen meine Sammlung auch ordentlich wachsen konnte. Ich war zwar noch nicht so sehr ‚Sammler‘ wie ich es heute bin, aber die Liebe zum Gaming war da, weswegen auch fleißig jedes neue Stück heiß ersehnt und in der Regel auch relativ schnell angeschafft wurde.

Jetzt war es leider allerdings auch so, dass meine Eltern das vielleicht nicht immer ganz so gesehen haben. „Du zockst zu viel!“ war dementsprechend natürlich der naheliegende Vorwurf – und die daraus resultierende Konsequenz dürfte vielen bekannt vorkommen: Weg mit dem Kram.

Zum Glück hieß dieses „weg“ nicht, dass ich alles verkaufen sollte. Eingeschränkt wurde es halt, damit der Jung was für die Schule tut. Doch wie das so ist mit uns rebellischen Kindern, nun, sagen wir einfach, man findet Mittel und Wege, um so ziemlich jedes Verbot zu umgehen, nicht wahr? Irgendwie musste das machbar sein – insbesondere, weil der GameCube rauskommen sollte und das Geld bereits gespart war!

Doch an dieser Stelle folgt nun ein kleiner Sprung. Vor gar nicht mal so langer Zeit besuche ich nun also meine Geschwister. Der große Bruder lässt sich ab und an ganz gerne mal blicken – da wir nie zusammen unter einem Dach gewohnt haben genieße ich den unantastbaren „cooler Bruder“ – Status, weil das übliche Zanken ausfällt. Und als cooler Bruder kriegt man natürlich auch die ganzen coolen Sachen mit, die der Rest lieber nicht wissen soll.

An dieser Stell sei nun gesagt: Liebe Mutti. Wenn du das hier ließt: Nicht böse sein. Und liebe Geschwister: Nehmt’s ihm nicht übel, mein Bruder ist auch nicht besser als ich. Und nicht weniger cool.

Zurück zur eigentlichen Geschichte, da sitze ich nun also und habe grade mal 2 Minuten, wo ich nicht von allen gleichzeitig belagert werde und mit meinem Bruder alleine über dieses und jenes Spiel quatsche, was grade so gezockt wird. Passend ist er auch grade in dem „Du zockst zu viel“ – Alter und natürlich „soll der Jung mal mehr für die Schule tun!“

Ich glaube nicht, dass er mein Lächeln wirklich verstehen konnte in jenem Moment. Eigentlich wollte er mir nur mal kurz die ‚coolen Spiele zeigen‘, welche er natürlich so überhaupt nicht spielen darf. Wie gesagt, man findet Mittel und Wege – ich musste ja auch damals meinen frisch erworbenen GameCube irgendwo unterbringen, damit die Mutti den nicht auch konfisziert.

„Warte mal kurz… hier, wenn ich das hier rausnehme… Da. Das ist ganz cool, und hier, Call of Duty sowieso.“ Da steh ich nun da, der coole, große Bruder – und stelle fest: Mein Bruder ist 15 Jahre nach mir auf die gleiche, geniale Idee gekommen.

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Schubladen raus aus dem Kleiderschrank – dahinter ist ein Hohlraum. Prima Platz für einen grade gekauften GameCube. Oder eben für all die Call of Duty’s, welche die Mutti nicht finden darf.

Meine Geschwister und ich, wir sind schon alle irgendwie ein bisschen bescheuert. Allerdings sind wir auch manchmal gleich genial, wenn es um gekonnte Regelbrechung geht. Auch für Ideen scheint die Aussage zu passen: Es bleibt halt doch alles in der Familie. Bleibt  mir nur die Daumen zu drücken – das besagte Mutti das hier nicht ließt und das Versteck auffliegt. Wird schon schiefgehen.

 

Dieser Beitrag ist Teil von #gamephilephoto, mein ganz eigenes, kleines Blogprojekt.

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