26 Games neg

Shooter.

Na, schon gelangweilt? Kann ich verstehen, ich bitte trotzdem darum, vielleicht doch ein paar Zeilen weiterzulesen. Also noch mal von vorne:

Shooter.

Ja, ich weiß. Alles das gleiche. Explosion hier, Schlauch da, kennen wir alle. Spielt sich auch alles identisch. Ok, die Gegner haben bei Halo ein bisschen mehr drauf, bei Battlefield gibt’s mehr Teamplay und Call of Duty ist Micheal Bay’s Videospiel-gewordener feuchter Traum. War aber mal alles anders.

Damals™. Also Prä-Halo. Vor den Zweistickstandartsache. Seid ihr alt genug, um euch zu erinnern? Nix online, nix 64+ Spieler, nix 60fps. Mehr als 10fps bei viel Action waren schon toll. Aber 64 ist ein gutes Stichwort, ich krame nämlich wieder was von Nintendos letztem, großem Modulschlucker aus.

Nur zur Begriffsklärung: Der Konsolenshooter steuert sich mit 2 Sticks. Die Tastenbelegung ist bei allen Titeln relativ identisch, der Look etwas anders. Geballert wird überall, so weit sind sie sich immerhin einig. Aufgaben? Die beschränken sich auf „von Punkt A nach B“ oder „hole C von D“. Nur um dann mit C von A nach B zu laufen. Also von D aus. Ach, ihr wisst schon. Follow me!

Es gab eine Zeit (damals™), wo Shooter auf einer Konsole selten waren. Alleine schon, weil sie technisch jetzt auch nicht vielleicht die Glanzstücke waren, zugegeben. Mal Doom auf dem Snes gespielt? Eben. Lasst es. Doch dann passierte etwas interessantes: Turok. In 3D. Also richtigem 3D, wo auch die Gegner keine platten Bitmaps mehr waren. Und es passierte noch etwas interessantes: Es machte Spaß.

Was passiert, wenn etwas Spaß macht (= sich gut verkauft) sehen wir an Call of Duty. Es folgen weitere. Und nicht nur innerhalb der Serie, sondern auch andere Spiele. Die sind dann eigentlich halt nur ein anderes Gewand, aber natürlich riechen die total anders. Oder so. Das war in diesem Damals™ irgendwie anders.

Einer erfindet das Rad, mit Bunt und Dinosauriern. Dann kommt der nächste und sagt: ‚Ne, das ist doof, ich mach lieber in grau und mit silber und überhaupt will ich Aliens.‘ Und Jemand kam dann, der dachte sich: „Hey, da ist doch dieser Film. Lass‘ mal den nehmen.“ Wer dieser Jemand war weiß ich nicht, ich weiß allerdings, dass er dann eines der besten Spiele überhaupt und sowieso daraus gemacht hat.

Dieser Jemand dachte sich nämlich: „Also mit dem Stick umschauen, das ist ja ganz ok. Aber irgendwie ist das auch so Pc, weißt’e? Wie mit Maus und so. Haben wir ja eh nicht. Wir wäre es, wenn wir stattdessen damit laufen? Wir machen das so: Laufen mit dem Stick – und zielen machen wir automatisch. Nicht zu viel, nur ein bisschen, und nach oben und unten halt. Ist viel dynamischer. Damit das Spaß macht.“

Hat funktioniert.

Dieser Jemand dachte sich auch: „Die Story. Die ist ja schon da, aber wir müssen die richtig machen. Wie im Film. Die müssen auch aussehen wie die Leute im Film, reden wie die Leute im Film, alles wie im Film. Sonst ist das doof, und doof machen wir nicht. Wir machen geil. Damit das Spaß macht.“

Hat funktioniert.

Dieser Jemand dachte sich ebenfalls: „Die Atmosphäre. Die müssen sich fühlen wie der Typ im Film. Cool und so. Oder sneaky, je nachdem. Und Gadgets, wir müssen auch Gadgets haben. Genau, sonst kommt sich ja keiner wie ein Agent vor. Damit das Spaß macht.“

Hat funktioniert.

Und dieser Jemand dachte sich ausserdem: „Multiplayer. Komm, wir können da vier Pads dran machen, wir MÜSSEN Multiplayer machen. Und nicht einfach irgendeinen, wir müssen den BESTEN machen, den bisher je einer gesehen hat. Wie Mario Kart, nur mit mehr Action und schnell und alles. Bam, das muss Bam machen!“

Hat funktioniert.

Es dürfte mehr oder weniger schwierig werden, jemanden die Faszination von Goldeneye heute wirklich nahe zu bringen. Ich bin diesem Jemand bei Rare jedenfalls wirklich sehr, sehr dankbar. Dieses Spiel hat einfach zur richtigen Zeit viel zu viel richtig gemacht und viel zu wenig falsch, als dass ich es nicht als Meilenstein bezeichnen könnte.

Also wenn mir das nächste mal wieder einer erzählen will, wie doof ja Autoaiming ist, wie sehr Splitscreen ja abkotzt und wie schlecht diese Filmumsetzungen immer sind – dann lade ich ihn einfach auf eine Runde Goldeneye ein. Danach ist immer Ruhe. Hat bisher nämlich auch immer funktioniert.

 

26 Games ist ein Blogprojekt von Arrcade.

 

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